Artikel vom 07.05.2013

http://www.ksta.de/kuerten/demenzgruppe-pilotprojekt-fordert-schueler-heraus,15189230,22701902.html

 

Pilotprojekt fordert Schüler heraus

Einmal in der Woche besucht der 14-jährige Gesamtschüler Timo die Demenzgruppe eines Altenheims. Der Einsatz von Timo ist Teil des Pilotprojektes „Das kommt gut an“, das die Caritas mit zahlreichen Partnern aus der Taufe hob.  Von Stephanie Peine

gsk foto artikel demenzprojekt

 

Kürten. 
Manchmal verstehen sie ihn einfach nicht. Wenn Timo nachmittags mit den alten Menschen am Tisch sitzt, reden sie gelegentlich aneinander vorbei. Manchmal, weil die alten Leute nicht mehr gut hören, manchmal, weil ihnen das Vokabular der Jugendsprache fremd ist, oder weil sie nach einigen Minuten schlicht vergessen haben, was besprochen wurde. Berührungsängste hat Timo nicht. Im Gegenteil: „Es ist ungewohnt, aber es macht Spaß.“

Der 14-jährige Gesamtschüler besucht einmal in der Woche die Demenzgruppe eines Altenheimes. Für die Schule, für die Senioren und für ihn selbst ein Gewinn. Der Einsatz von Timo ist Teil des Pilotprojektes „Das kommt gut an“, das die Caritas Rhein-Berg Anfang 2013 mit der katholischen Kirchengemeinde St. Marien, der Gesamtschule Kürten, der evangelischen Kirchengemeinde Delling und der Diakonie aus der Taufe hob. Dabei stellen soziale Einrichtungen im Ort Praktikumsstellen für Schüler der 8. und 9. Klassen zur Verfügung.

Die Schüler verpflichten sich für ein halbes Jahr, ihren Einsatz einmal wöchentlich zu leisten. Die Aktion soll einerseits das ehrenamtliche Engagement der Schüler fördern, ihnen aber auch Einblicke in den Arbeitsalltag sozialer Einrichtungen und verschiedene Berufsfelder geben. Am ersten Durchgang des Sozialprojekts nehmen 15 Schüler teil, vier Jungen und elf Mädchen. Sie leisten Praktika in Seniorenheimen, Kindertagesstätten oder Bibliotheken und schilderten bei einem ersten Treffen ihre Erfahrungen. Fachkundige Begleitung der Schüler während ihrer Praktika sei unabdingbar, betonten die Organisatoren. Man stehe als Gesprächspartner bereit, sobald Fragen auftauchten, jemand sich überfordert fühle oder vielleicht im Altenheim Erlebnisse mit Krankheit und Tod mache, die er allein nicht verarbeiten könne. „Wir wollen aber bewusst keine Lebensbereiche ausgrenzen“, erklärte Willi Broich, Gemeindereferent der katholischen Gemeinde St. Marien. „Es ist gewollt, dass die Schüler neue Erfahrungen machen. Das kann eine tolle Herausforderung sein, wenn die Erfahrungen gut begleitet werden.“

Neuland betreten sie dabei alle. Etwa beim Einsatz in einer Bibliothek, wo die Schüler zunächst nur Bücher in Regale einsortieren durften. „Langweilig“, befanden sie. Doch seit auch Computerarbeit erlaubt ist, mache es Spaß. Oder Hannah, die mit einer Freundin im Seniorenheim mit betagten Menschen Gymnastik macht. „Die haben so viel Freude, nicht nur an den Übungen, sondern auch daran, mit uns jungen Menschen zusammen zu sein“, sagt sie lächelnd. Auch Nico ist im Kindergarten gefragt: „Die Kleinen stürzen immer alle gleichzeitig auf mich los, um zu spielen“, erzählt er. Eine Erfahrung, die sein Klassenkamerad noch nicht machte: Der wurde zunächst von den Erwachsenen begeistert begrüßt, weil er Regale zusammenbauen kann, in der Turnhalle ging es gleich ans Werk.

In der Demenzgruppe sind weniger Muskelkraft und technisches Geschick als vielmehr Geduld gefragt: „Ich muss immer wieder die selben Dinge erklären“, sagt Theresa. Das ermüde schon. Timo findet das auch, scheint aber sein Rezept gefunden zu haben. Wenn man einige Geschichten der Senioren erst kenne, klappe es mit der Verständigung gleich besser.

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